„Das ist mit Blick auf die Gemeindeangelegenheiten mein schönstes Weihnachtsgeschenk“, sagt Contwigs Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette über den voranschreitenden Wiederaufbau der Kita. Das alte Dach wurde abmontiert, das neue ist auf dem Gebäude drauf. Anfang Januar soll der Innenausbau losgehen, neue Elektro- und Heizungsleitungen werden verlegt. Danach geht es im Inneren weiter. „Ich bin zuversichtlich, dass wir 2026 große Schritte machen werden“, sagte Brinette im Gespräch mit der RHEINPFALZ einen Tag vor Heiligabend. Einen möglichen Eröffnungstermin nennt sie bewusst nicht mehr. Zu oft hat sie sich Hoffnungen gemacht, die dann nicht eingehalten werden konnten. „Sind wir doch mal ehrlich: In der Zeit, in der das da oben nicht vorangeht, haben wir hier im Dorf fünf Straßen ausgebaut.“

Neuer Architekt, Nachdreher vor Gericht

Im Januar 2020 war Schimmel im Rohbau des Kita-Neubaus entdeckt worden – das war noch zu Zeiten von Brinettes Amtsvorgänger Karl Heinz Bärmann. Es folgte ein Baustopp. Über Jahre ist auf der Baustelle kaum etwas passiert, dafür gab es einen Rechtsstreit zwischen der Gemeinde und den Verantwortlichen des Kita-Neubaus. Weil schon Kinder für den neuen Kindergarten angemeldet waren, wurde sogar kurzerhand das Rathaus in der Dorfmitte zur Not-Kita umgebaut – und dient noch heute als solche. Mittlerweile gehen Kinder, die im Rathaus ihre Kita-Zeit begonnen haben, schon in die Grundschule.

Vom damaligen Architekten hat sich die Gemeinde mittlerweile getrennt. Die Bauleitung hat das Ingenieurbüro Arnold und Partner übernommen, wie Brinette berichtet. Vor Gericht hat die Gemeinde im Sommer gegen die beiden Beklagten – Ex-Architekt und eine Handwerkerfirma – gewonnen. Beide müssen für den entstandenen Sachschaden aufkommen; zunächst in einem sogenannten Vorschussanspruch über 230.000 Euro. Weil der tatsächlich entstandene Sachschaden aber viel höher ausfallen wird, müssen die beiden Beklagten generell alle Mehrkosten bezahlen – abgerechnet werde zum Schluss. Der Architekt habe sich mit dem Urteil abgefunden, sagt Brinette – nicht aber die Handwerkerfirma. Die habe Berufung eingelegt, der Fall gehe nun vors Oberlandesgericht. Wann das entscheidet, kann die Ortsbürgermeisterin derzeit nicht sagen.

Verfahren in die Länge gezogen

Die Mehrkosten setzen sich aus zahlreichen Rechnungen zusammen. Höhere Baukosten, weil Handwerkerhonorare und Materialkosten in den vergangenen Jahren durch die Decke geschossen sind, Umbaukosten, weil das Rathaus zur Kita umfunktioniert worden ist − die bereits angemeldeten Kinder konnten ja schlecht auf der Straße betreut werden −, Verfahrens- und Gerichtskosten und vieles mehr. Eigentlich hätte der Rechtsstreit viel früher geklärt sein können. Mehrere Vergleichsvorschläge zwischen den beiden Streitparteien sind gescheitert, zudem haben die Beklagten laut Brinette immer wieder um Fristverlängerung gebeten. Und je länger der Rechtsstreit dauerte, umso länger hat sich der Kita-Neubau hingezogen.

Bleibt die Frage, warum es denn eigentlich während der Bauphase in der Kita geschimmelt hat. Knappe Antwort: Das richtige Material wurde zur falschen Zeit verbaut. Die Dachkonstruktion sollte ursprünglich aus OSB-Platten hergestellt werden, also aus Holz. Grundsätzlich ist das laut Brinette kein Problem. Allerdings wurden die Platten in der nasskalten Jahreszeit verbaut. Und dann hat auch noch die Dämmung gefehlt, und die Baustelle wurde nicht getrocknet – ein Nährboden für Schimmel. Die neue Dachkonstruktion ist nun nicht aus OSB-Platten, sondern aus zementgebundenen Platten hergestellt, um dem Schimmel einen Riegel vorzuschieben.

Rheinpfalz 05.01.2026

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.